Faustig

Chapeau, träges Ego: Ich habe es geschafft, kurz vor Ende des Festivaljahres etwas Faustiges zu unternehmen. Vielen Dank der lieben Marion an dieser Stelle, die für die Tickets im Resi gesorgt hat. Sogar das Klima war mir gewogen, denn es schüttete während (und ausschließlich während) der Vorstellung, und ich musste an den Lieblingswitz meines Vaters denken: „Was sagt ein Bayer, wenn er die Oper verlässt und es regnet? – Des a no!“ Ha ha! Ich scheine offenbar anderer Herkunft zu sein, aber das ist ein anderes Thema … Zurück zu Faust. Es war sensationell! Dieser umwerfende Mix aus Klassik und Moderne. Die schrägen, witzigen, abgefahrenen Szenen und unerwarteten Pointen, die großartigen Akteure und nicht zuletzt die Aktualität, die einen entlarvt – der Sinn des Lebens, die Suche nach dem Glück. Wurden Trendwörter wie „nachhaltig“, „flow“ oder „Work-Life-Balance“ artikuliert? Ich kann mich nicht genau erinnern. „Vegan“ kam auf alle Fälle vor, und das Publikum grölte. Absolut genial. Nur die Programmvorschau sollte man künftig mich schreiben lassen. Mein Repertoire an eindrucksvollen Keywords rund um die darstellende Kunst mag zwar nicht ganz so vollendet sein, aber vielleicht könnten sich dann auch Zuschauer ohne 25 Opern- und Theater-Abos besser vorstellen, was ihnen geboten wird. Oder was ihnen entgeht!

Carolin Fried

Mein erstes Wort war "selber". Das war 1965 oder 1966. Seitdem rede ich gern und schreibe noch lieber.