Schneller Propeller

Jeder ambitionierte Hobbykoch weiß, dass man spätestens dann jegliche Hobbykoch-Ambitionen ad acta legen kann, wenn man Teenager im Haus hat. Ich – erfahrene Mutter – weiß das natürlich auch. Nicht so mein Mann, der hauptsächlich für die Showküche vor geladenen Eltern und Schwiegereltern, neuen Bekannten oder ebenso ambitionierten Hobbykoch-Freunden zuständig ist. Kürzlich kam er jedoch in die glückliche Lage, eine Meute hungriger Teenager-Gäste bekochen zu dürfen. Das lief dann so ab:

Er: „Was essen die Kinder?“ – Ich: „750 Pfannkuchen.“ – Er: „O, da hab ich eine Idee!“ Euphorisch stolzierte er daraufhin zum Bücherregal, suchte lange nach dem geeigneten Werk, griff sich schließlich „XYs neueste Kreationen für Gourmets“ heraus, blätterte noch ein wenig mit „mms und aaahs“ untermalt das Heiligtum durch, landete nach gefühlten 30 Minuten auf der Pfannkuchen-Seite und studierte ausführlich das Rezept. Dann – Showköche sind es gewöhnt, zahlreiche Assistenten zu haben – folgte die übliche Abfragenummer, die er durchs ganze Haus brüllte: „Haben wir Eier?“ … „Haben wir Milch?“ … „Haben wir …?“ Nachdem weder der Kühlschrank noch die Schränke neben ihm noch ich antworteten, schaute er laut stöhnend selbst nach, um festzustellen, dass „… natürlich wiederNICHTS …“ vorrätig war. Weitere gefühlte 45 Minuten später hatte er dann die nötigen Zutaten und musste aber vor dem großen Showstart noch eine kurze Pause einlegen. Inzwischen trudelte eine völlig ausgehungerte Meute in der Küche ein, entsetzt, dass das Essen noch nicht einmal andeutungsweise auf dem Tisch stand.

Der Hobbykoch mahnte zur Geduld und holte im Zeitlupentempo mindestens drei Schüsseln, unzählige Löffel und diverse Pfannen heraus und fing langsam und wiederholt das Rezept studierend an, sein Meisterwerk vorzubereiten. Stunden später konnte dann auch das erste Prachtstück mit den Worten „So einen delikaten Pfannkuchen habt Ihr bestimmt in Eurem ganzen Leben noch nicht gegessen.“ serviert werden. Die Reaktion der Meute konnte ich leider nicht hören, denn sie ging in allgemeinen Kampfgeräuschen unter. Ich bildete mir nur ein, zwischendrin ein paar Rufe wie „Mehr … schneller … wann geht´s endlich weiter? … “ hören zu können. Aber bestimmt war auch das ein oder andere „Schmeckt klasse, Papa.“ dabei …

 

Carolin Fried

Mein erstes Wort war "selber". Das war 1965 oder 1966. Seitdem rede ich gern und schreibe noch lieber.