Überlängen

Ich bin der inkonsequenteste Mensch der Welt und vermutlich werden meine Kinder Drogenhändler, Bankräuber oder Verteidigungsminister. Jeden Tag versuche ich, mich zu ändern und meinen Prinzipien treu zu bleiben, aber es funktioniert einfach nicht.

Gestern zum Beispiel. Ich hatte meinem Sohn versprochen, den am Abend zuvor schon angefangenen „Fluch der Karibik“ zu Ende sehen zu dürfen. Konsequenterweise (mein Sohn IST konsequent) bestand er natürlich auch drauf, wobei es mir fatalerweise nicht gelungen war, das Abendessen pünktlich um 19 Uhr auf den Tisch zu bringen, sondern leider erst um 19.05 Uhr. Das warf uns natürlich böse zurück, und ich hörte im Geiste schon wieder meine Schwiegermutter sagen: „Klar, dass er so schlecht in der Schule ist. Bei diesem Freizeitprogramm und dieser Inkonsequenz …“ – uuuuh, da war es schon wieder, dieses Wort. Insofern lief ich den ganzen Fluch-der-Karibik-Abend nervös im Wohnzimmer auf und ab und fragte alle fünf Minuten „Wie lange dauert das denn NOCH??“ – sehr zur Freude meiner mitglotzenden Restfamilie.

Es ist aber doch auch wirklich so, dass heutzutage die Spielfilme gefühlte fünf Stunden dauern und nicht wie früher genormte 90 Minuten. Ich finde, man sollte dazu jeweils am Anfang des Films Warnungen herausgeben. „Achtung, Achtung, dieser Film übersteigt die gewohnte Länge von 1 ½ Stunden. Sollte er mit Schulkindern an einem Wochentag angeschaut werden, bitte bereits um 17 Uhr damit beginnen.“ Oder so ähnlich …

Carolin Fried

Mein erstes Wort war "selber". Das war 1965 oder 1966. Seitdem rede ich gern und schreibe noch lieber.